Die Preisträger des Philos 2017

Wieder wurden mit dem PHILOS außergewöhnliche Initiativen gewürdigt, die Menschen mit Hämophilie bei der Bewältigung der zahlreichen alltäglichen Herausforderungen unterstützen.

Die Preisträger der Kategorie PHILOS-Projekte wurden bei der Preisverleihung am 21. Februar 2018 am Rande der GTH-Jahrestagung in Wien geehrt:

Die Preisträger des Philos 2017: v.l.n.r.: Carola Kindermann und Dr. Susan Halimeh, Tobias Ruhl und Carsten Kirchner, Björn Drebing (stv. für Susanne Zech), Dr. Klaus Horn (Bayer), Christian Schepperle und Arni Lehmeier

Platz 1: Videoprojekt HOPE (Arni Lehmeier für die IGH e.V.)

HOPE – beim diesjährigen Siegerprojekt der Interessengemeinschaft Hämophiler e.V. (IGH e.V.) stehen die vier Buchstaben für Hämophilie Ohne ProblemE. Für Projekt-Initiator Arni Lehmeier handeln sie vom Traum eines jeden Menschen mit Hämophilie, sein Leben so normal wie möglich führen zu können. Um dazu einen Beitrag zu leisten, will der 28-jährige Reutlinger eine Videodatenbank schaffen, die das Wissen über die Erkrankung und deren Akzeptanz fördert. Kurze, leicht verständliche Lehrfilme, teils speziell für Kinder konzipiert, sollen die Hämophilie erklären und praktische Tipps zum alltäglichen Umgang geben. „Hämophilie – was ist das?“ oder „Sport und Bewegung mit Hämophilie“ heißen die ersten Arbeitstitel für Kurzvideos, die Arni Lehmeier produzieren und unter anderem kostenlos über die Social Media Plattform Youtube zur Verfügung stellen will. Auch die in naher und ferner Zukunft liegenden Entwicklungen im Bereich der Hämophilie-Therapie sollen in den Videos festgehalten und erklärt werden – so soll sich HOPE nach dem Willen des Projektvaters zu einer ständig wachsenden Wissensdatenbank rund um die Hämophilie entwickeln. Die PHILOS Jury vergibt den mit 10.000 Euro dotierten ersten Platz an HOPE und würdigt damit die Kreativität und den hohen Praxisbezug des Projekts der IGH e.V., das vor allem junge Betroffene auf moderne und innovative Art anspricht. Mit dem Preisgeld soll die Realisierung der ersten Videos ermöglicht werden.

Platz 2: Initiative Flüchtlingsmedizin (Deutsche Bluthilfe e.V.)

Der zweite Platz und ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro gehen an ein Projekt, das Menschen in den Mittelpunkt rückt, die aufgrund von Sprachbarrieren und der Unkenntnis über das deutsche Gesundheitssystem häufig nicht adäquat versorgt werden: Flüchtlinge mit Hämophilie! Von langen Fluchtwegen gezeichnet, unversorgt und gesundheitlich stark beeinträchtigt, kommen die Menschen in den Aufnahmelagern an. Sie aufzufangen und vor schweren körperlichen Beeinträchtigungen zu schützen – das ist das Ziel des Projekts „Flüchtlingsmedizin“ des Duisburger Vereins Deutsche Bluthilfe e.V.. Dr. Susan Halimeh und andere engagierte Vereinsmitstreiter setzen sich für die Rechte der von Hämophilie betroffenen Menschen ein, begleiten sie bei Behördengängen, kümmern sich um schnelle Wohnungsunterbringung und sorgen für Beratung in vielen Lebenslagen. Mit ihren Kenntnissen der arabischen Sprache steht Dr. Susan Halimeh als Dolmetscherin zur Verfügung und teilt ihr Wissen mit ärztlichen Kollegen, um die nötige medizinische Versorgung der Patienten sicherzustellen. Für den enormen humanitären Einsatz vergibt die PHILOS Jury den 2. Platz an das Projekt Flüchtlingsmedizin der Deutschen Bluthilfe e.V.

Unterstützt von anderen ehrenamtlichen Mitstreitern der Deutschen Bluthilfe e.V. begleiten Dr. Susan Halimeh (links) und Sozialpsychologin Carola Kindermann (rechts) Flüchtlinge wie Ahmad bei Behördengängen, kümmern sich um schnelle Wohnungsunterbringung und sorgen für Beratung in vielen Lebenslagen.

Platz 3: Aufklärungskampagne zum Welthämophilietag (DHG e.V. Jugendvertretung)

Platz drei und ein Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro gehen an ein Projekt der Jugendvertretung der Deutschen Hämophiliegesellschaft (DHG e.V.). Mit ihrer Aufklärungskampagne anlässlich des Welthämophilietags am 17. April 2016 und 2017 haben die Projektinitiatoren um Carsten Kirchner und Tobias Ruhl Aufmerksamkeit für die seltene Erkrankung und die mangelhafte Versorgung der Betroffenen in vielen Teilen der Welt erzeugt. Mit öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen in mehreren deutschen Städten klärten sie über die Hämophilie auf und sammelten Unterschriften, die in Spenden umgewandelt an die Welthämophilieorganisation WFH flossen. Die PHILOS Jury würdigt mit der Preisvergabe den hohen Einsatz der vielen ehrenamtlichen Helfer und Unterstützer, die mit ihrer Basisarbeit dieses Projekt so besonders machen.

Unter dem Motto „Treatment for All“ klärten Jugendvertreter der Deutschen Hämophiliegesellschaft e.V. am Welthämophilietag (17. April) 2016 und 2017 über die seltene Erbkrankheit Hämophilie auf.

785 Unterschriften konnten die Teams um DHG-Jugendvertreter Jannik Wilk (links) und Carsten Kirchner (Mitte) sammeln. Beim WFH-Kongress 2016 in Orlando übergaben sie 3.140 Euro Spende an WFH-Präsident Alan Weill. (v.l.n.r.: Jannik Wilk, Alan Weill, Carsten Kirchner, DHG-Vorstandsvorsitzende Dr. Stefanie Oestreicher, DHG-Vorstandsmitglied Steffen Hartwig)

Publikumspreis: Eltern-Kind Wochenende Burg Rabeneck (DHG e.V., Regionen Baden-Württemberg)

Mehr als 350 Menschen haben sich im September 2017 an der Wahl des PHILOS-Publikumsfavoriten beteiligt und per Online-Voting auf dieser Website ihren Favoriten gekürt. Die meisten Stimmen entfielen auf das „Eltern-Kind-Wochenende auf Burg Rabeneck“ der DHG-Regionen Baden Württemberg. Das Projekt erhält dafür den mit 2.500 Euro dotierten Publikumspreis.

In der Nähe von Pforzheim schufen DHG-Vertrauensmitglied Susanne Zech und ihre Kollegen anderer baden-württembergischer DHG-Regionen einen geschützten Rahmen für den Erfahrungsaustausch zwischen Eltern von Kindern mit Hämophilie. Mit Vorträgen, Workshops und Praxiskursen schafften sie es gleichzeitig, die Betroffenen zu stärken und Wissen zu vermitteln, das den Alltag mit der Hämophilie erleichtert. Ein Angebot, das eine Lücke schließt: Bereits lange vor Anmeldeschluss war das erste Eltern-Kind-Treffen ausgebucht, 26 Erwachsene und 25 Kinder nutzten die Gelegenheit zum Kennenlernen und zum Erfahrungsaustausch. Für die Organisatoren ist die gute Resonanz Motivation und Anreiz zugleich, auch 2018 Treffen zu organisieren – dann mit einem großen Angebot an Sport und Bewegung für alle Altersgruppen.

DHG-Vertrauensmitglied Susanne Zech (hier mit ihren Töchtern Noemi, 14 und Darleen, 20) und ihr Stellvertreter Jan Fässler (hier mit Sohn Elias,12) schufen mit dem „Eltern-Kind-Wochenende auf Burg Rabeneck“ einen geschützten Rahmen für den Erfahrungsaustausch zwischen Eltern von Kindern mit Hämophilie.

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Bei der Zusammenstellung des Programms legten die Organisatoren großen Wert darauf, Unterstützung in psychosozialen Fragen zu bieten. Workshops zu Themen wie „Geschwisterkinder“ und „Sozialrecht“ stießen auf besonders reges Interesse.